Palitzsch

See you, see me.

Das Schlachtross

Am 15. März 1925 wurde Claus Weyrosta in Breslau geboren. Er war einer der profiliertesten Politiker im Stuttgarter Landtag. Im Parlament vertrat der Sozialdemokrat von 1967 bis 1996 ununterbrochen den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen. Eine Biografie von Jörg Palitzsch erzählt über Weyrostas politisches Leben.

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Die Biografie „Das Schlachtross“ beschreibt den politischen Lebensweg von Claus Weyrosta.

Schon lange vor der Gründung der Grünen legte Claus Weyrosta seiner Partei ein Umweltprogramm vor, er war jahrelang Organisator des „Bietigheimer Tages“, Landesvorsitzender der Deutsch- Polnischen Gesellschaft und Bundesvorsitzender der Naturfreunde Deutschlands.

Claus Weyrosta war ein Mensch mit Stärken und Schwächen, aber einer der wenigen, die in der Politik nachhaltig versucht haben, moralische Maßstäbe zu setzen.

Autor Jörg Palitzsch zeichnet in seinem Buch „Das Schlachtross“ den bewegten Lebensweg des Politikers und die ungewöhnliche Karriere Claus Weyrostas einfühlsam, faktenreich und detailliert nach, der über sich selbst sagte: „Wer nur auf die Launen der Zeit reagiert, gerät mit der Zeit in Vergessenheit.“
Zu dem Buch, das bei Jörg Palitzsch erhältlich ist, sind unter anderem zwei Rezessionen erschienen.

Von Hans Kump:
Nicht nur für Polen kämpfend
Eine Biografie von Claus Weyrosta

Claus Weyrosta ist den Lesern und Leserinnen dieser Zeitschrift („Polen und wir“) als langjähriges Mitglied des Bundesvorstands der Deutsch-Polnischen Gesellschaft der BRD und als Gründer des Landesverbands Baden-Württembergs bekannt. Bis 1997 agierte er im Südweststaat als Vorsitzender unseres Vereins. Doch Weyrosta war mehr als nur ein Freund Polens, der schließlich mit dem Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen ausgezeichnet wurde.

Jörg Palitzsch, Redakteur bei der Bietigheimer Zeitung, hat in emsiger Fleißarbeit ein Buch geschrieben, in dem auch ein Weyrosta-Kenner viel Neues und Interessantes entdecken kann. Da wird die Familie des am 15. März 1925 in Breslau Geborenen vorgestellt und dessen Soldatenzeit beschrieben.

Der Vertriebene schuftete zunächst als Maurer und studierte dann Architektur – und ließ sich in Bietigheim nieder. Als SPD-Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg beschäftigte er sich vornehmlich mit der Ökonomie und Ökologie. Ein Regierungsamt blieb dem agilen Politiker jedoch versagt – allzu gerne wäre er ja 1992 Staatssekretär in der (zweiten) Großen Koalition des Südweststaats geworden. An Ideen, Forderungen und Mahnungen mangelte es Weyrosta nie, er war eine Kämpfernatur, ein „Schlachtross“ eben. Doch den Kampf gegen seine vielen Krankheiten verlor er schließlich – am 27. September 2003 verstarb er. Bei der Trauerfeier in der Bietigheimer Stadtkirche nahmen langjährige politische Weggefährten teil, so auch Lothar Späth und Erhard Eppler. Eine ehrende Ansprache hielt sein „Ziehsohn“, Hans Martin Bury, damals noch Staatsminister im Außenministerium. Bury verfassste für die Biografie ein Vorwort.

Jörg Palitzsch ist in seiner Rolle als Buchautor gewiss mehr ein penibler Chronist als ein kritischer Kommentator. Er bedient sich vieler Quellen – ohne Schwierigkeiten kam er natürlich an das Zeitungsarchiv von Weyrostas neuer Heimatstadt, aber auch die vielen hinterlassenen mit zahlreichen Dokumenten gespickten Leitz-Ordner des umtriebigen Politmenschen konnte er einsehen. So erfährt man beispielsweise etliche Details aus Briefwechseln zwischen ihm und Helmut Ridder, dem ehemaligen Bundesvorsitzenden der Deutsch-Polnischen Gesellschaft der BRD.

Von Manuel Preuten im Vorwärts:
Moral in der Politik
Eine Biografie über den Landespolitiker Claus Weyrosta

Vom „Roten Maurer“ wurde Claus Weyrosta zu einem Politiker, der lange vor der Gründung der Grünen ökologische Themen in den Vordergrund rückte. Der Aufbau seiner schwäbischen Region als Kommunalpolitiker und Architekt kümmerte ihn ebenso wie die Aussöhnung mit Polen. Immer legte Weyrosta moralische Maßstäbe an seine Politik an, oft war er dabei kompromisslos. „Niemand soll für einen Helden oder für einen Dummkopf gehalten werden, nur weil er das tut, was er für richtig hält und nicht das, was ihm am meisten nützt“, hat Weyrosta einmal gesagt und sein politisches Wirken treffend charakterisiert.

DSCF9301Aber Weyrosta war auch ein politischer Einzelgänger. Einer, der oft gegen den Strom schwamm und es seinen Mitmenschen wie Genossen nicht leicht machte. Einer, der provozierte und polarisierte. Mit Ex-Ministerpräsident Lothar Späth, ebenfalls aus Bietigheim, lieferte er sich Jahrzehnte lang ein hartes aber respektvolles Duell. Der oft kompromisslose Weyrosta selbst gab sich den Beinamen „das Schlachtross“.

Kenntnisreich und detailliert schildert Jörg Palitzsch die lange politische Karriere eines der profiliertesten Landespolitiker im Südwesten. Neben persönlichen Gesprächen hat der Autor Unmengen an Protokollen und Zeitungsberichten gewälzt. Weggefährten wie Lothar Späth und Erhard Eppler kommen zu Wort.
Das Ergebnis der akribischen Arbeit kann sich sehen lassen. Dem Autor ist durchaus schwieriges gelungen: Er lässt die Nähe zu, ohne dabei die kritische Distanz ganz aus den Augen zu verlieren. Palitzschs Werk erlaubt es stellenweise, sich mit der

Person Weyrostas auseinanderzusetzen. So entsteht ein rundes Bild des Mannes, der nie ein Direktmandat errang, auch nie ein Regierungsamt innehatte und dennoch viele Jüngere in seinen Bann und seine Partei zog.

Vor allem an Kommunalpolitik Interessierte und Kenner der schwäbischen Verhältnisse dürfte „Das Schlachtross“ ansprechen. Die detailversessene Beschreibung von Wahlkampfveranstaltungen und Debatten im Ortsverein enthält mitunter manch zähe Passage. Autor Jörg Palitzsch hat dennoch nicht vergessen, auf die überregionale Bedeutung der Politikerkarriere Claus Weyrostas hinzuweisen.

Es ist dem Redakteur der Bietigheimer Zeitung gelungen, die Verbindung zwischen kleiner und großer Politik zu beschreiben – den „Spagat zwischen weltumspannenden Ideen und Straßenfesteröffnung“, der – so schreibt Hans Martin Bury in seinem Vorwort – für Weyrosta mitunter zur Zerreißprobe wurde.


Jörg Palitzsch: Das Schlachtross – Eine Annäherung an den Sozialdemokraten Claus Weyrosta (1925-2003); Mit einem Vorwort von Hans Martin Bury, Druck- und Verlagsgesellschaft Bietigheim mbH, 232 Seiten, 58 Fotos, gebunden, Preis 22,90, ISBN 3-931843-12-2.

2 Kommentare zu “Das Schlachtross

  1. Philipp Ziegler
    15. Juni 2015

    Claus Weyrosta begegnete mir zum ersten Mal 2015 beim Lesen des „Schlachtrosses“ von Jörg Palitzsch. 1996 als sich Claus Weyrosta von seinen politischen Ämtern zurückzog und auf eine lange Karriere in der Lokal- bzw. Landespolitik zurückblicken konnte, war ich gerade einmal 15 Jahre alt. Und wie für die meisten Teenager spielte auch für mich damals das Thema Politik keine wirkliche Rolle.
    Es vergingen weitere 29 Jahre, ehe ich Teile des Lebenswerkes von Claus Weyrosta kennenlernen durfte. Umso erstaunlicher war es für mich zu sehen, dass er schon damals viele Themen engagiert diskutiert und pragmatisch anging, die heute noch immer aktuell sind und für mich persönlich relevant sind: Atomkraft und deren Risiken sowie die Schaffung von günstigem Wohnraum in den Städten, um nur zwei davon zu nennen.

    Beeindruckend für mich war es auch zu lesen, dass Claus Weyrosta mit seinem etwas über 18 Jahren in Kriegsgefangenheit geriet, fliehen konnte, und sich vier Wochen hinter feindlichen Linien bewegen musste. Für mich unvorstellbar, welche körperliche und mentale Belastung dies gewesen sein musste. Umso erfreulicher, dass er diese Erlebnisse verarbeiten konnte und seine weiteren Kräfte einsetzten konnte, um den Menschen in seinem direkten Umfeld als auch dem Gemeinwohl dienlich zu sein: Als Vorsitzender war er sowohl bei den Naturfreunden Deutschlands als auch bei der Deutsch-Polnischen Gesellschaft tätig und leistete Pionierarbeit, von der die heutige Generation wahrscheinlich noch profitiert.

    Als ein in der Region Bietigheim verwurzelter Mensch, beinhaltet das Buch „das Schlachtross“ neben der Person Weyrosta für mich noch weitere interessante Einblicke in die örtliche Zeitgeschichte: Die Planung des Stadtteils Buch in Bietigheim, der Zusammenschluss von Bietigheim und Bissingen sowie der „Bietigheimer Tag“.

    Insgesamt 13 Kapitel umfasst „das Schlachtross“, welche ich mir verteilt auf ungefähr einen Monat abendlich immer wieder zu Gemüte führte. Dabei hatte ich das Gefühl, dass ich indirekt in diesem Buch auch auftauche: Sei es bei Weyrostas Vorgänger Karl Braun und den dazugehörigen Informationen zur Ingersheimer Grundschule, die ich selbst besuchte, als auch bei der Nennung von Politikern, wie z.B. Harald Leibbrecht (FDP) und Claus Schiedel, denen ich persönlich begegnen durfte.

    Ich bin froh, Claus Weyrosta, „den fleißigen und unermüdlichen Schaffer“ noch in dieser Form kennengelernt zu haben und ich meine sogar, jetzt bei mir ein gesteigertes politisches Interesse wahrzunehmen.

    „Mein Schlachtross“ habe ich einem guten Freund weitergegeben, da ich glaube, dass dieses Buch definitiv wert ist, noch öfters gelesen zu werden.

    Philipp Ziegler, Ingersheim, den 15.06.2015

    Gefällt 1 Person

    • Palitzsch
      15. Juni 2015

      Vielen Dank für die Anmerkungen zu meinem Buch. In Zeiten, in denen selbst Kommunalpolitik immer stärker der Leichtigkeit des Seins und der Selbsttäuschung zum Opfer fällt, bleibt eine Rückbesinnung auf Politiker wie Claus Weyrosta und ihre Art, die Dinge voranzutreiben wichtiger den je.

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