Palitzsch

See you, see me.

Brandwächter in Sardinien

Sardiniens Wälder brennen im August und auch noch im September leicht und schnell. Zum einen wegen unachtsamen Autofahrern, die Zigarettenkippen aus dem Fenster werfen, zum anderen, weil Brandstifter ihr Unwesen treiben. Brandwächter haben ein Auge darauf.

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Piero und Gianpiero sind Brandwächter in den Wäldern der Ogliastra.

Piero und Gianpiero sind Förster der R.A.S., der regionalen Forstverwaltung in der sardischen Provinz Ogliastra. Ihr Einsatzgebiet ist das Waldgebiet „Bivio Carmine“, gut 850 Meter hoch über der alten Hauptstadt Lanusei gelegen. Ihr Gebiet ist abgesperrt, zum Arbeitsplatz der Förster kommt man nur, wenn man ein verschlossenes Gatter öffnet.

Von einer Aussichtsplattform hat das Duo in Richtung Arbatax nicht nur einen schönen Blick auf das Meer, sondern auch große Waldflächen unter Kontrolle. Auf weiteren Plateaus sind die Kollegen von Piero und Gianpiero ebenfalls im Einsatz und alle mit Funk verbunden. So kann der Ausbruch von Feuer selbst in den weit entfernten Wäldern erkannt, schnell kommuniziert und die Einsatzkräfte zügig verständigt werden.

Unter der Woche sind im September über den Wäldern der Ogliastra zur Branderkennung zwar nur noch zwei Schichten nötig – jeweils von 7 bis 14 sowie von 14 bis 21 Uhr – nur noch am Wochenende kommt eine dritte Schicht dazu. Im heißen und trockenen August sind wegen der erhöhten Brandgefahr täglich drei Schichten nötig. Und der Einsatz ist nicht ohne Gefahren. Anfang September brannte der Wald über Lanusei. Das Feuer wurde von Hubschraubern aus bekämpft, wobei einer der Helis abgestürzt ist und der Pilot verletzt wurde.

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In einer kleinen Hütte wird gegrillt.

Die Forstmänner haben sich hier auf rund 850 Metern Höhe häuslich eingerichtet. Während zur Mittagszeit auf einem selbstgebastelten Drehgrill, der mit Strom aus einer Autobatterie gespeist wird, ein Lamm vor sich hinschmort, bereitet Piero in einer geräumigen Felsenhütte über einem kleinen Gaskocher schwarzen sardischen Kaffee zu.

Ihren Unterschlupf im Felsen, so erzählt Piero, haben sie sich selbst hergerichtet. Das Dach wurde abgedichtet und die ganze Konstruktion mit Holzbalken tragen in der Mitte zwei Betonsäulen, die sichtbar aus einem Neubau stammen. Eine Antenne der Marke „Eigenbau“ kann Fußballspiele und Formel 1-Rennen übertragen und ein großer Holzofen aus einem ehemaligen Stahlwerk schafft bei Regen und kalter Witterung wohlige Wärme. Es gibt einen Kühlschrank und auf einem großen Holztisch liegen Tageszeitungen verstreut – die Förster wissen sich zu beschäftigen.

Im Oktober werden die Tage ruhiger, mit jedem Tag in Richtung Winter sinkt die Gefahr von Waldbränden. Ungemütlich werden die Förster nur, wenn man sie nach ihrer Rente fragt. In den Ruhestand können die Forstmänner erst mit 67, „wenn man 42 Jahre voll gearbeitet hat“, erklärt Gianpedro. „Sonst müssen wir bis 70 arbeiten“, ergänzt sein Kollege Piero. Früher seien alle mit 62 in Rente gegangen, heute mit 70. Diese neue Regel müsse man jetzt ausbaden. Und trotzdem sind sich beide sicher: Die Arbeit im Wald sei immerhin nicht so schwer wie die Arbeit eines Maurers oder Lkw-Fahrers.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 17. September 2015 von in Hirnfutter und getaggt mit , , , , , , .

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