Palitzsch

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Kalte Grenze

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DDR-Grenze durch Mödlareuth.

Mödlareuth, direkt an der bayerischen-thüringischen Grenze gelegen, hat nicht mal 50 Einwohner. Vor 65 Jahren, 1952, wurde dort ein Holzzaun hochgezogen, der die Familien voneinander trennte. Erst 37 Jahre später sollte diese Trennung, ein Monat nach dem Fall der Berliner Mauer 1989, wieder vorbei sein.

Der kleine Ort Mödlareuth liegt in einer abgeschiedenen Gegend, der sich Besuchern, die sich von Hof oder Bad Steben aus über Töpen und dem Weiler Juchhöh nähern, als das Ende der Welt präsentiert. Im Winter zeigt sich bei eisigem Wind und stahlblauem Himmel eine Ansammlung von Häusern, die sich wegdrücken, als ob sie sich vor der Kälte schützen wollen. Einwohner sind, wie in allen kleinen Dörfern rund um Mödlareuth, kaum zu sehen. Eher Durchreisende, die sich nicht für die Geschichte des Dorfes interessieren oder sie bereits kennen.

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Die Grenzanlage ist heute eine Gedenkstätte.

Dabei ist der Erstkontakt mit dem Schicksal der Grenzgemeinde zufällig und auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen. Von der Durchfahrtsstraße aus biegt man in eine kleine Seitenstraße ab, die über den Tannbach führt. Eine Trennung war schon 1949 vollzogen worden. Die DDR beanspruchte den thüringischen Teil, die BRD den bayerischen Teil des kleine Ortes. Nach dem Zeiten Weltkrieg war der Tannbach praktisch die Demarkationslinie zwischen dem östlichen Mödlareuth, das den Sowjets unterstand, während der westliche Ortsteil amerikanische Besatzungszone war.

So mussten die Mödlareuther 1952 mit ansehen, wie ein Holzzaun durch die Ortsmitte hochgezogen wurde. Mit rund 2,50 Metern nicht zu überblicken und der die Abriegelung voneinander einläutete. Später wurde dieser Holzzaun, durch den man an manchen Stellen wegen handwerklicher Mängel hindurchschauen konnte, mit aufgebogenen Eisen bestückt. Dieser Holzzaun wurde bis 1966 durch eine 3,30 Meter hohe Betonsperrmauer ersetzt. Die Amerika tauften den gottverlassenen Flecken deshalb „Little Berlin“ und wie dort durfte auch in Mödlareuth vom Osten aus kein Gruß und keine Geste nach drüben gehen. Trotzdem gelang ein einziger Versuch, dem DDR-Knast zu entkommen. Ein Flüchtling nutzte seine guten Ortskenntnisse. Er fuhr mit einem Ost-Kastenwagen in einen Hof dicht an die Mauer heran, stellte eine Leiter aufs Dach – und weg war er.

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Beobachtungsturm: DDR-Grenzer haben alles im Blick

Die Teilung des kleinen Dorfes zementierte man mit dem Ausbau der Grenzanlage weiter. Einwohner, die zu dicht am Grenzverlauf auf Gehöften wohnten wurden kurzerhand umgesiedelt. Im östlichen Teil wurde nahe der Mauer ein Beobachtungsturm aufgebaut, die Mauer durch einen weiteren mannshohen Eisenzaun abgesichert – so wurden Schutzstreifen und Sperrzone geschaffen – es gab Flutlichter, Beobachtungsbunker und die totale Überwachung der Anlage. Mödlareuth wurde seinem Ruf als „Little Berlin“ gerecht. Die SED-Diktatur mauerte sich ein und schuf eine kalte, menschenverachtende Grenze.

So dauerte es bis zum 9. Dezember 1989, bis der Spuck und die Trennung ein Ende hatten. Am Tag der Grenzöffnung lag Schnee, der Musikverein marschierte laut spielend durch die aufgebrochene Mauer und die Menschen lagen sich in den Armen. Man trank Glühwein, für den Musikverein gab es Schnaps und Bratwürste brutzelten auf einem Rost, genügend, um die neue Freiheit gemeinsam zu feiern. Anschließend rückten die Bagger an und rissen das bizarre Bauwerk unter dem Beifall der Bevölkerung ab.

Zeitsprung: Mödlareuth ist heute immer noch ein kleines Dorf. Die Maueranlagen sind eine deutsch-deutsche Gedenkstätte, seit 2006 in der Trägerschaft eines Zweckverbandes. In einem Museum kann man die Geschichte des Ortes visuell nacherleben, ein Film über die Mauer wird zum Auftakt des Rundgangs gezeigt.

http://www.museum-moedlareuth.de

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